Katharina Schmitten | Assoziierte Doktorandin

Staat, Recht und politischer Konflikt
Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, D-10117 Berlin
E-Mail: schmitten  ( at )  cmb.hu-berlin.de Tel: (030) 2093-70730

Mutterinstitut : Humboldt-Universität zu Berlin | Fachbereich : Geschichte |

Biographie

Katharina Schmitten ist assoziierte Doktorandin am Centre Marc Bloch und seit Dezember 2018 Mitarbeiterin der Abteilung Filmarchiv des Bundesarchivs. Von Oktober 2013 bis Juli 2017 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe „Urbane Gewalträume / Violences et Espaces“ des deutsch-französischen Forschungsverbundes „Saisir l’Europe / Europa als Herausforderung“. Im Mai und Juni 2015 forschte sie mit einem Stipendium des Deutschen Historischen Instituts in London. Sie studierte an der Universität Bielefeld (B.A. Geschichtwissenschaft / Sozialwissenschaften), dem University College Cork und der Humboldt-Universität zu Berlin (M.A. Geschichte). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der vergleichenden Polizeigeschichte, Gewalt- und Täterforschung.

Forschungsthema

Neuere europäische Geschichte, Polizeiforschung, Gewalt- und Genozidforschung, Täterforschung in Bezug auf Nationalsozialismus und Stalinismus, Vergleich und Transfer

Titel der Dissertation

Riot Policing als soziale Praxis. Crowd Control in deutschen und britischen Industriestädten im Vergleich, 1889-1929

Zusammenfassung der Dissertation

Der zivile britische „Bobby“ auf der einen und der schwer bewaffnete preußische Schutzmann auf der anderen Seite scheinen die Gegensätze zwischen Großbritannien mit seiner langen parlamentarischen Tradition und dem deutschen Kaiserreich mit seinen obrigkeitsstaatlichen Strukturen geradezu zu versinnbildlichen. Richtet man den Blick jedoch auf den staatlichen Umgang mit inneren Unruhen und Massenstreiks in Industrieregionen wie dem Ruhrgebiet und dem nordenglischen Black Country, zeigen sich ähnliche Planungen, Organisationen und Praktiken. Wie also organisierten zwei so unterschiedliche politische Systeme Polizei und „riot control“, und welche Bedeutung hatten die unterschiedlichen Polizeimodelle für die Praxis von Herrschaft im Industrierevier – im Alltag wie im Ausnahmezustand? Wie wirkten sich unterschiedliche Anweisungen, Autoritätsvorstellungen und Waffen auf die Interaktion zwischen Polizisten und Straßenpublikum, Demonstranten und Streikenden aus? Alltägliche Fälle sozialer (Un)Ordnung werden ebenso wie größere Unruhen mit einem mikrohistorischen und interaktionistischen Ansatz untersucht, der die bisher vernachlässigte situative Dynamik zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften und Eskalationsmomente von Gewalt beider Seiten in den Blick nimmt. Dabei wird auch das Verhältnis von Polizei und Militär sowie Akteuren wie Zechenschutz- und Einwohnerwehren thematisiert.

Institution der Dissertation

Humboldt-Universität zu Berlin

Betreuer

Prof. Dr. Jörg Baberowski

Organisation von Veranstaltungen

9.-10. Juni 2016: Workshop „Thick Comparison in der Gewaltforschung? Zu Möglichkeiten und Grenzen eines Vergleichs von Gewaltsituationen / Pour une «comparaison dense» de la violence? Possibilités et limites d’une approche comparée des situations de violence“, Junges Forum am Centre Marc Bloch, Konzeption und Organisation mit Janis Nalbadidacis.

Aktivitäten

Lehre: WS 2014/15 Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Übung "Wege aus der Krise, Wege in die Diktatur? Ansätze einer vergleichenden Diktaturforschung" (mit Janis Nalbadidacis)

Riot Policing als soziale Praxis. Crowd Control in deutschen und britischen Industriestädten im Vergleich, 1889-1929

Der zivile britische „Bobby“ auf der einen und der schwer bewaffnete preußische Schutzmann auf der anderen Seite scheinen die Gegensätze zwischen Großbritannien mit seiner langen parlamentarischen Tradition und dem deutschen Kaiserreich mit seinen obrigkeitsstaatlichen Strukturen geradezu zu versinnbildlichen. Richtet man den Blick jedoch auf den staatlichen Umgang mit inneren Unruhen und Massenstreiks in Industrieregionen wie dem Ruhrgebiet und dem nordenglischen Black Country, zeigen sich ähnliche Planungen, Organisationen und Praktiken. Wie also organisierten zwei so unterschiedliche politische Systeme Polizei und „riot control“, und welche Bedeutung hatten die unterschiedlichen Polizeimodelle für die Praxis von Herrschaft im Industrierevier – im Alltag wie im Ausnahmezustand? Wie wirkten sich unterschiedliche Anweisungen, Autoritätsvorstellungen und Waffen auf die Interaktion zwischen Polizisten und Straßenpublikum, Demonstranten und Streikenden aus? Alltägliche Fälle sozialer (Un)Ordnung werden ebenso wie größere Unruhen mit einem mikrohistorischen und interaktionistischen Ansatz untersucht, der die bisher vernachlässigte situative Dynamik zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften und Eskalationsmomente von Gewalt beider Seiten in den Blick nimmt. Dabei wird auch das Verhältnis von Polizei und Militär sowie Akteuren wie Zechenschutz- und Einwohnerwehren thematisiert.

Publikationen

Aufsätze

„Eine Hölle voller Teufel“. Täuschung und Gewalt im Vernichtungslager Treblinka, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 62 (2014), H. 9, S. 726-748.

Eskalation durch Interaktion? Polizisten und öffentliche (Un-)Ordnung zu Beginn des Ersten Weltkrieges, in: Bretschneider, Falk; Jossin, Ariane; Koloma Beck, Teresa; Schönpflug, Daniel (Hrsg), Gewalt vor Ort | Violence située. Raum - Gewalt - Kommunikation | Espace - Violence – Communication, Frankfurt am Main: Campus (im Erscheinen).

Rezensionen

David-Fox, Michael; Holquist, Peter; Martin, Alexander R. (Hrsg.), Fascination and Enmity. Russia and Germany as Entangled Histories, 1914–1945, Pittsburgh 2012, in: H-Soz-u-Kult, 18.06.2013, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-2-202.

Berger, Sara, Experten der Vernichtung. Das T4-Reinhardt-Netzwerk in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka, Hamburg 2013, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft63 (2015), H. 7-8, S. 707-708.

Emil Kerenji (Hrsg.), Jewish Responses to Persecution. Volume IV 1942-1943 (= Documenting Life and Destruction: Holocaust Sources in Context), Lanham 2015, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 64 (2016), H. 12, S. 1101-1103.

Tagungsberichte

Riots in Regions of Heavy Industry. Violence, Conflict and Protest in the 20th Century, 07.11.2014 – 08.11.2014 Tübingen, in: H-Soz-Kult, 18.02.2015, http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5836.