Dr. Teresa Koloma Beck Assoziierte Forscherin



Position
Professorin für Soziologie der Globalisierung an der Universität der Bundeswehr München
Fachbereich
Soziologie

Aufenthaltszeitraum : vom 01.01.2013 bis 31.12.2017
Biographie

Teresa Koloma Beck ist Professorin für Soziologie der Globalisierung an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaft der Universität der Bundeswehr München. Sie studierte am I.E.P. Paris und an der Universität Witten/Herdecke und promovierte 2010 an der Humboldt-Universität zu Berlin über Veralltäglichungsprozesse im Bürgerkrieg. Der Schwerpunkt ihrer akademischen Arbeit liegt in der alltagssoziologischen Erforschung von Gewaltkonflikten und Globalisierungsdynamiken. Bevor sie anfang 2017 an die Universität der Bundeswehr kam, leitete sie am Centre Marc Bloch die deutsch-französische Nachwuchsgruppe »Espaces et Violences | Urbane Gewalträume« im deutsch-französischen Forschungsverbund Saisir l'Europe | Europa als Herausforderung (2013-2016). Zuvor arbeitete sie Professurvertreterin und wissenschaftliche Miterarbeiterinnen in verschiedenen internationalen und interdisziplinären Lehr- und Forschungskontexten, u. a. an der Universität Erfurt, der Universität Marburg und der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist Mitbegründerin der Arbeitsgruppe »Erfahrungen der Globalisierung« am Centre Marc Bloch, Mitglied des Arbeitskreises »Gewaltordnungen« in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) und der Sektion »Politische Soziologie« in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Ihre Forschung zu Kriegs- und Nachkriegsgesellschaften führte sie für ethnographische Forschungsaufenthalte nach Angola (2005/06), Mosambik (2010) und Afghanistan (2015).



Forschungsthema

Politische Soziologie der Weltgesellschaft, insbesondere 

  • Konflikttheorie und empirische Konfliktforschung
  • Gewalttheorie und empirische Gewaltforschung
  • Globalisierungssoziologie

Alltags- und Körpertheorie/-soziologie, insbesondere phänomenologische und pragmatistische Ansätze 

Raumsoziologie 


Projekte

Habilitationsprojekt: »Globalisierung und Alltag in internationalisierten Gewaltkonflikten« 

Das Forschungsprojekt untersucht die Transformation alltäglicher, lokaler Lebenswelten in internationalisierten Gewaltkonflikten. Im Zentrum des Interesses steht die Verschränkung von je spezifisch lokalisierten Alltagsdynamiken einerseits und internationaler Politik andererseits sowie die Auswirkungen dieser Verschränkungen auf Alltags- und Subjektstrukturen. Insbesondere geht es um die Frage, inwiefern Konfliktkonstellationen, in denen mit Mitteln der Gewalt in je spezifischen lebensweltlichen Kontexten um die Geltung globaler Normen gerungen wird, an der Produktion globaler sozialer Strukturen beteiligt sind. Dabei wird Globalität nicht primär als Produkt von Integrations- oder Normdiffussionsdynamiken rekonstruiert, sondern im Rückgriff auf kommunikations- und subjekttheoretische Ansätze als Gegenstand der Erfahrung. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass bewaffnete Konflikte oder Konfliktepisoden bisweilen den Charakter von »Weltereignissen«  annehmen und so zu einer Intensivierung und Ausweitung globaler Verflechtungen beitragen. Darüber hinaus führen in länger andauernden Gewaltkonflikten an universalisierten Normen und Werten orientierte Beobachtungs- und Interventionsregime zur Emergenz hybrider sozialer Ordnungen, die durch eine beschleunigte weltgesellschaftliche Durchdringung lokaler Kontexte charakterisiert sind. Die sozialtheoretische Rekonstruktion dieser Dynamiken steht noch am Anfang. Vor diesem Hintergrund zielt das Habilitationsprojekt darauf, einen Ansatz zu entwickeln, der es erlaubt, das Verhältnis von Gewaltkonflikten und Prozessen der Produktion von Globalität in einer alltagstheoretisch-lebensweltlichen Perspektive zu erschließen. Teil dieses Projekts ist ein ethnographischer Feldforschungsaufenthalt in Afghanistan (2015).


Organisation von Veranstaltungen

2015 (upcoming). »L'Europe et la fabrique de la justice: justices, injustices et solidarités à l'épreuve des crises«,  Sommerschule des deutsch-französischen Forschungsverbundes Saisir l‘Europe in Moulin d‘Andés (DFH-finanziert)

2015 (upcoming). »Zur Rolle von Dritten in den sozialen Dynamiken der Gewalt. Theoretische und Empirische Perspektiven«. Workshop der Nachwuchsgruppe »Violences et Espaces | Urbane Gewalträume« am Centre Marc Bloch an der Humboldt Universität zu Berlin 

2014. »Lokale Konflikte vor globalem Publikum. Gewalt und Aufmerksamkeit in der Weltgesellschaft«. Panel auf der IV. Offenen Sektionstagung Internationale Politik der  Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) an der Otto von Guericke Universität Magdeburg

2014. Stadt – Land – Fluss: Gewalt, Raum und soziale Ordnung, 25. Workshop des AK Gewaltordnungen in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) am Centre Marc Bloch an der Humboldt Universität zu Berlin (mit Bettina Engels)

2014. Deutsch-französische Winterschule des Forschungsverbundes »Saisir l‘Europe | Europa als Herausforderung« an der Goethe-Universität Frankfurt/Main; verantwortlich für die thematische Achse »Gewalträume« (DFH-finanziert)

2013. »Politische Gewalt in der Stadt«, Runder Tisch im Rahmen des DAAD-Kolloquiums Nachhaltige Nachbarschaft, Deutsches Historisches Institut Paris

2012 »Widerstand und Herrschaft in der Weltgesellschaft«, Plenum der Arbeitskreise »Gewaltordnungen« und »Soziologie der Internationalen Beziehungen) auf dem 25. Kongress der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) an der Eberhard Karls Universität Tübingen (mit Matthias Ecker-Erhardt, Anna Holzscheiter, Alex Veit, André Bank)

2012. Armed Conflict and the Everyday, Internationaler Workshop an der Willy Brand School of Public Policy der Universität Erfurt (DAAD-finanziert)



Publikationen

Monographien und Herausgeberschaften

2014. Theorien der Gewalt zur Einführung. Hamburg: Junius (mit Klaus Schlichte) 

2014. Transitional Justice Theories. London: Routledge (herausgegeben mit Susanne Buckley-Zistel, Christian Braun und Friederike Mieth) 

2012. The Normality of Civil War. Armed Groups and Everyday Life in Angola, Frankfurt/Main; New York: Campus 

 

Aufsätze

2016. »Krieg und Gewohnheit. Phänomenologische und pragmatistische Perspektiven auf verkörpertes Gedächtnis in Bürgerkriegen«. Der Körper als soziales Gedächtnis, Hrsg. von Michael Heinlein, Oliver Dimbath, Larissa Schindler und Peter Wehling. Wiesbaden: Springer, 153-169 

2015. »Paris – Syrien. Über zu kurze Wege in der öffentlichen Debatte nach den Anschlägen vom 13. November 2015 in Paris«, in: Zeitgeschichte-online, Dezember 2015

2015 »Widerstand und Herrschaft in der Weltgesellschaft«. Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB), Jg. 22, H 1, 103-116 (mit Alex Veit)  (peer-reviewed)

2015. »Analyse des phénomènes de violence au regard de l‘espace« Revue de l’Institut Français d’Histoire en Allemagne, No. 6 (mit Ariane Jossin)    

2014. »Zum Begriff des Gewaltwettbewerbs. Typen und Konstellationen globaler Konkurrenzen um Aufmerksamkeit und Legitimität«. In Martina Löw (Hg.). Vielfalt und Zusammenhalt. Verhandlungen des 36. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bochum 2012. Frankfurt a.M.: Campus (mit Tobias Werron)    

2013. »Gewaltwettbewerbe. ›Gewalt‹ in globalen Konkurrenzen um Aufmerksamkeit und Legitimität.« In Stephan Stetter (Hg.). Ordnung und Wandel in der Weltpolitik. Konturen einer Soziologie der Internationalen Beziehungen (= Leviathan Sonderband 28). Baden-Baden: Nomos. 239-67 (mit Tobias Werron)  (peer-reviewed)

2013. »Forgetting the embodied past. Body memory in Transitional Justice«. In Susanne Buckley-Zistel, Teresa Koloma Beck, Christian Braun and Friederike Mieth (eds.), Transitional Justice Theories. London: Routledge,184-200    (peer-reviewed)

2013. »Redressing Violence in Africa«, in Arrigo, Bruce, Bersot, Heather (Eds.), The Routledge Handbook of International Crime and Justice Studies, London: Routledge, 471-92 (mit Susanne Buckley-Zistel, Friederike Mieth, Julia Viebach)    

2013. »Violence et espace urbain«. Revue de l’Institut Français d’Histoire en Allemagne, No. 5 (mit Ariane Jossin)    

2011. »The Eye of the Beholder. Violence as a Social Process. International Journal of Conflict and Violence, 5 (2), 345-56 – Russische Übersetzung in Vorbereitung –  (peer-reviewed)

2010. »Is There A Market For Humanitarian Crisis Interventions? International Regimes For The Prevention or Ending of Genocide Seen From an Institutionalist Perspective«. discussion papers. Fakultät für Wirtschaftwissenschaft, Universität Witten/Herdecke. No. 5/2010    

2009. »Staging society. Sources of loyalty in the Angolan UNITA«. Contemporary Security Policy. Vol. 30 Heft 2   (peer-reviewed)

2008. »’Manchmal unser einziger Halt…’. Mission, Kirche und Religiosität im angolanischen Bürgerkrieg«. Interkulturelle Theologie. Vol. 34, Heft 3, 274-281    

2008. »Natur und Zivilisation im Habitus des Kriegers«. in: Karl-Siegbert Rehberg (Hg.). Die Natur der Gesellschaft. Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Frankfurt a.M.: Campus (mit Klaus Schlichte)    

2007. »Nature and civilization in the Habitus of the Warrior (Serbia and Angola)«. Working Papers Micropolitics No.1, (mit Klaus Schlichte).    


"Theorien der Gewalt zur Einführung"

31.März 2014

Teresa Koloma Beck , Klaus Schlichte

Edition: Junius

Was ist Gewalt? Wie wird sie erklärt? Wie wird staatliche Gewalt begründet und warum wird sie kritisiert? Und wie lassen sich Gewaltphänomene in Gegenwart und Geschichte erklären und verstehen? Diese Einführung stellt Sozialtheorien der Gewalt vor, die sich der Frage nach dem Verhältnis von Gewalt und sozialer Ordnung widmen. Sie diskutiert zunächst die wichtigsten Argumente der Staatstheorie, mit denen, beispielsweise durch Hobbes, Locke und Kant, die Monopolisierung der Gewalt begründet wurde, und zeichnet sodann die Kritiken der staatlichen Gewalt bei Marx, den Anarchisten oder im Widerstandsrecht nach. In einem zweiten Teil behandelt sie Theorien, die Gewalt erklären und einem sozialtheoretischen Verständnis zuführen wollen wie die Arbeiten von Trotha, Sofsky, Reemtsma oder Collins. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem paradoxen Verhältnis moderner Gesellschaften zur Gewalt, in denen Gewaltexzesse und normative Ächtung der Gewalt koexistieren.



"Transitional Justice Theories"

31.Dezember 2013

Teresa Koloma Beck , Susanne Buckley-Zistel, Christian Braun, Friederike Mieth

Collection: a GlassHouse book

Transitional Justice Theories is the first volume to approach the politically sensitive subject of post-conflict or post-authoritarian justice from a theoretical perspective. It combines contributions from distinguished scholars and practitioners as well as from emerging academics from different disciplines and provides an overview of conceptual approaches to the field. The volume seeks to refine our understanding of transitional justice by exploring often unarticulated assumptions that guide discourse and practice. To this end, it offers a wide selection of approaches from various theoretical traditions ranging from normative theory to critical theory. In their individual chapters, the authors explore the concept of transitional justice itself and its foundations, such as reconciliation, memory, and truth, as well as intersections, such as reparations, peace building, and norm compliance.

This book will be of particular interest for scholars and students of law, peace and conflict studies, and human rights studies. Even though highly theoretical, the chapters provide an easy read for a wide audience including readers not familiar with theoretical investigations.




17. Mai 06:32

Teresa Koloma Beck

»How does the context of war effect the method? Qualitative research in/on armed conflicts« Lecture at the American Institute of Afghanistan Studies (AIAS), Kabul, 12 May 2015