Dr. Olivier Allard | Assoziierter Forscher

Mobilität, Migration und räumliche Neuordnung
Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, D-10117 Berlin
E-Mail: olivier.allard  ( at )  ehess.fr Tel: +49(0) 30 / 20 93 70700

Mutterinstitut : EHESS | Position : Maître de conférences | Fachbereich : Anthropologie |

Biographie

Olivier Allard ist Maître de conférences an der EHESS und Anthropologe.

Er ist spezialisiert auf die indigenen Völker des südamerikanischen Tieflands und arbeitet seit 2007 in der Region des Orinoko-Deltas (Venezuela und Guyana) und hauptsächlich mit der Warao-Bevölkerung

Die Ambivalenz der Staatsbürgerschaft in einer südamerikanischen Grenzregion: indigene Völker und Nationalstaaten in Zeiten der Krise

Ich untersuche das politische und soziale Leben in einem südamerikanischen Grenzgebiet, das größtenteils von indigenen Völkern bewohnt ist: Die Grenze zwischen Venezuela und Guyana wird regelmäßig von Menschen (vor allem von Venezolanern, die vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch ihres Landes fliehen) und Waren (vor allem Benzin, das aus Venezuela geschmuggelt wird und Konsumwaren, die aus Guyana gebracht werden) passiert – und das, obwohl die Grenze offiziell geschlossen ist. Es handelt sich auch um eine umstrittene Grenze, denn ein Teil des guyanesischen Gebiets wird von Venezuela als "Guayana esequiba" beansprucht. In diesem Projekt konzentriere ich mich auf die entscheidende Position der indigenen Völker in diesem Grenzgebiet: Sie haben eine wichtige Rolle bei der Festlegung, Umsetzung und Anfechtung der Staatsgrenzen gespielt und wurden in besonderer Weise von Projekten zur Nationen- und Staatenbildung beeinflusst. Das Projekt bietet die Gelegenheit, zwei leicht unterschiedliche Konzepte von Staatsbürgerschaft miteinander in Beziehung zu setzen und zu diskutieren. Einerseits werden die indigenen Völker seit langem als geringere Mitglieder der Gemeinschaft behandelt, als Minderjährige, die geschützt werden sollten, bis sie die politische Reife erlangt haben, die durch ihre Akkulturation an die Sprache, Normen und Gewohnheiten der nationalen (kreolischen) Gesellschaft bedingt ist. Auf der anderen Seite können diejenigen, die in einem Grenzgebiet leben, immer verdächtigt werden, in den Nachbarstaat überzuwechseln, d.h. ungefestigte Loyalitäten zu haben und die nationale Gemeinschaft möglicherweise zu untergraben: Aus "internen Anderen" können immer reale, externe Andere werden. Es werden drei Hauptstränge verfolgt, die es ermöglichen, die breiteren vergleichenden Implikationen dieser Forschung über die Sozialanthropologie Südamerikas hinaus zu entwickeln. (1) Migrationen zwischen Staaten und identitären Regimen; (2) Ein Ölstaat und seine Krise; (3) Existenz und Nutzung einer umstrittenen Grenze.

Publikationen

Herausgeberschaft

Aufsätze in Zeitschriften

 

Aufsätze in Sammelbänden und andere Publikationen

  • 2019 « Le palmier des marais. Remarques sur les usages d'un environnement inhabitable »,   G. Cometti, P. Le Roux, T. Manicone and N. Martin (Hrsg.), Au seuil de la forêt. Hommage à Philippe Descola, l’anthropologue de la nature, Mirebeau-sur-Bèze, Éditions Tautem, 2019b, p. 52-64
  • 2016 « Anthropology of emotion », J. Jackson (Hrsg.), Oxford bibliographies in anthropology, New York, Oxford University Press [online].
  • 2016 « Parenté », in Genre & sexualité: encyclopédie critique, J. Rennes (Hrsg.), Paris, La Découverte, p. 439-448.
  • 2016 (mit A.-C. Taylor), « Traitement des cadavres et mémoire des personnes en Amazonie », in Qu’est-ce qu’une sépulture? Humanité et systèmes funéraires, de la préhistoire à nos jours, M. Lauwers & A. Zemour (Hrsg.), Actes des 36e Rencontres internationales d’histoire et d’archéologie d’Antibes, p. 55-68.
  • 2016 « Transition vers la démocratie ou instauration d’une ère d’abondance ? Les Amérindiens, la politique et la “révolution bolivarienne” au Venezuela », in Transitions historiques, P. Allard, M. Heintz & C. Muller (Hrsg.), Nanterre, Éditions de la MAE, p. 221-233.
  • 2013 « Pueblos indígenas e identidades de género : el dualismo sexual en cuestión », Sexología y sociedad 19(1) : 64-73.