Dr. Irina Mützelburg | Associated Researcher

Mobilities, Migrations, Reconfiguration of Spaces
Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, D-10117 Berlin
Email: irina.muetzelburg  ( at )  sciencespo.fr Tel: +49(0) 30 / 20 93 70700

Home Institution : Sciences Po Lyon | Disciplines : Political Science |

Biography

Irina Mützelburg is a researcher in political science affiliated at the Centre de recherches internationales (CERI) in Paris, Triangle in Lyon and the Centre Marc Bloch in Berlin. Her research areas cover the sociology of international relations, the international transfer and circulations of norms and policies and the interdependencies between non-state and international actors. In addition, she is interested in the sociology of the post-communist state (public policy implementation, adaptation to instability, reliance on informality and improvisation) and in the language education policies in Eastern Europe. Finally, she studies migration and asylum policies in Ukraine and Europe as well as on the externalisation of migration control to the EU neighbourhood. She currently teaches European policies and political sociology at Sciences Po Lyon.

Title of thesis

Multi-Level Transfer of International Norms: Asylum Policies and Practices in Ukraine (1993-2015)

Summary of thesis

This thesis uncovers the importance of often overlooked actors and transfer channels by adopting a longitudinal and multi-level perspective on international norm and policy transfer. It examines the role of international organisations in the development of asylum policies and practices in Ukraine since the adoption of the first Law on Refugees. It shows how the action of international and domestic non-governmental organisations is interlinked with and differs from the sector-specific conditionality exercised by the European Union. In this manner, it enriches the findings on transfer from research that has mostly focused on top-down processes and political elite actors. It investigates the interactions and relations between state and non-state actors of the “transfer chain”, revealing logics of dependence, delegation and control as well as processes of translation, support and resistance. Analysing the support and subtle forms of resistance to the legislative adoption of international norms at the Parliament, it demonstrates that adoption is shaped, to a large extent, by domestic politicians’ pursuit of recognition and incentives by international organisations. Moreover, non-state actors seek to influence state practices by adapting their strategies to domestic resistance and structural obstacles, utilising confrontational and harmony-seeking, formal and informal, top-down and horizontal strategies. While norm entrepreneurs try to trigger the formalisation of certain changes, the effects of the transfer attempts on state practices remain heterogeneous and unstable. This thesis thus adds to transfer scholars’ widespread findings regarding the weak application of norms.

Institution of thesis

Institut d'études politiques de Paris

Supervisor

Kathy Rousselet & Anne de Tinguy

Teaching and Learning Foreign Languages in Ukraine

Fremdsprachenunterricht an staatlichen Schulen stellt einerseits eine public policy dar, beeinflusst von nationalen politischen Strategien und geopolitischen Positionierungen. So haben größere sozio-politische Umschwünge in verschiedenen Staaten unterschiedliche Umwälzungen der Fremdsprachenpolitik hervorgerufen, im Rahmen derer die „Sprache des Feindes“ entweder aus ideologischen Gründen deutlich weniger oder aus strategischen Gründen deutlich mehr unterrichtet wurde (Pavlenko 2003).  Die Ukraine ist ein oft zitiertes Beispiel für einen zwischen zwei großen geopolitischen Akteuren hin- und hergerissenen Staat. Wandel im Erlernen von Fremdsprachen, insbesondere des Englischen, spiegelt Veränderungen durch die Globalisierung, die Macht der EU und Nordamerikas, die Transformationen und geopolitischen Neupositionierungen der postkommunistischen Staaten wider (Kasztalska 2014; Hasanova 2007; Cohen 2005). Dieses Forschungsprojekt untersucht, inwieweit die anhand von der Ablösung von Staatspräsidenten und Regierungen identifizierten Phasen geopolitischer Neuorientierung des ukrainischen Staates Phasen einer Umgestaltung der Fremdsprachenpolitik entsprechen.

Das Projekt betrachtet die Frage der Verwendung des Russischen und Ukrainischen indirekt, indem es sich explizit auf die Sprachen konzentriert, die die ukrainische Gesetzgebung als „Fremdsprachen“ bezeichnet, also weder Ukrainisch noch Russisch. Die bisherige Forschung hat die Versuche einer Konstruktion einer nationalen Identität durch das Beharren auf der Verwendung der ukrainischen Sprache im Schulunterricht (Friedman 2010), sowie die Konkurrenz und Koexistenz des Ukrainischen und Russischen im Unterricht und in den Pausen trotz einer nach außen zur Schau getragenen Ukrainophonie (Polese 2010) aufgezeigt. Die Rolle von anderen Sprachen in diesem Zweier-Verhältnis bleibt noch unerforscht, obwohl Arbeiten zu anderen Ländern, beispielsweise zu Moldawien, zeigen, dass diese einen wichtigen Platz einnehmen können, zum Beispiel als Mittel des Widerstandes gegen die als dominant wahrgenommene Landessprache (Ciscel 2008).

In den letzten Jahren hat der ukrainische Staat das Erlernen von Fremdsprachen (insbesondere des Englischen, aber auch des Deutschen, Französischen, Spanischen und Chinesischen) als wichtiges Ziel der Bildungspolitik verkündet. Dies spiegelt die außenpolitische Orientierung der ukrainischen Politik in Richtung EU wider. Dennoch findet diese Priorisierung der weitgehend westlichen Fremdsprachen in dem Kontext eines ressourcenarmen Staates statt. Außerdem obliegt die Umsetzung dieses politischen Ziels den Regionen und insbesondere den Schulen selbst. Eine Hypothese dieses Forschungsanliegens lautet also, dass die praktische Umsetzung einer Stärkung des Fremdsprachenunterrichts regional, aber auch je nach Größe des Ortes stark variiert. Während in Metropolen Ressourcen, insbesondere qualifizierte Fremdsprachenlehrer, eher verfügbar sind, sind die Möglichkeiten von Schulen in kleineren Orten Fremdsprachenunterricht überhaupt oder auf dem vorgeschriebenen Niveau zu unterrichten, begrenzter. Ein Anliegen dieses Forschungsvorhabens ist folglich, die regionalen Unterschiede nachzuvollziehen und deren Ursprünge zu ergründen. SchulleiterInnen setzen die staatliche Politik um und passen sie an, indem sie als VermittlerInnen zwischen ministeriellen Anordnungen und den lokalen Bedingungen agieren (Lipsky 1980, Dubois 1999). Dieser Ansatz ermöglicht es auch, die umstrittenen Kategorisierungen von Regionen in ost- oder westukrainisch zu überprüfen. Durch die vergleichende Analyse der regionalen und lokalen Umsetzung der Sprachpolitik kann ich die Wichtigkeit der jüngsten Dezentralisierungsreformen  untersuchen und erkunden, wie wichtig der regionale Faktor im Vergleich zu der Größe des Ortes ist.

Sprachpolitik wird als interaktiver Prozess zwischen politischen Entscheidern, lokalen Umsetzern und BürgerInnen betrachtet. SchülerInnen und Elternentscheiden, wie viel Zeit, Mühe und Geld sie in das Erlernen von Fremdsprachen investieren. Das Forschungsvorhaben zielt darauf ab, private Strategien des Spracherwerbs in einem Kontext ressourcenschwacher Schulen zu beleuchten. Die Bemühungen diese Sprache zu erlernen verweisen, so meine These, auf Anpassungsstrategien und Erwartungshorizonte der ukrainischen Bevölkerung. Diese befindet sich in einem Zwischenraum (Ther 2003, Rey 2013), gekennzeichnet durch unbeständige Grenzen und Konfliktzonen, schwache Institutionen, begrenzte staatliche Handlungsfähigkeit und Ungewissheit über den Fortgang der Ordnungen (Kravchenko 2016, Troebst 2017, Schmidtke, Yekelchyk 2016). Seit der Auflösung der UdSSR befinden sich die BewohnerInnen in einem anhaltenden Zustand der Instabilität. In diesem Projekt interessiere ich mich für die alltäglichen Entscheidungen und Zukunftsstrategien einfacher Menschen. Die Wahl des Forschungsobjektes basiert auf der Hypothese, dass die Bemühungen des Erwerbs der englischen Sprache Einblicke insbesondere in Karriere-, Migrations- und Reiseziele und –vorstellungen erlauben. Nach Möglichkeit wird auch die Entwicklung dieser Strategien und Vorstellungen über die Zeit erforscht, um zu erkennen, inwiefern sie durch größere politische Prozesse, ökonomische und politische Instabilität beeinflusst sind. Dieses Forschungsprojekt erkundet auch, inwiefern UkrainerInnen auf eine Strategie setzen (z.B. sich auf das Englische zu konzentrieren, was den Glauben an die EU als dauerhaft attraktiven Arbeitsmarkt widerspiegeln könnte) oder ob sie eine Mehrfachpositionierung wählen (z.B. Bemühungen das Englische und das Russische zu perfektionieren). Diese Entscheidungen verweisen auf geographische Imaginative.

Revue française de science politique 70-5, octobre 2020

November 30, 2020

Jérémy Geeraert , Fabien Jobard , Bénédicte Laumond , Irina Mützelburg , Ulrike Zeigermann

Edition: Presses de Sciences Po
Collection: Revue française de science politique
ISBN: 00352950

Sociologie politique des passeurs-Quand les passeurs passent par les organisations internationales-Produire des passeurs-Des passeurs en quête de prévention contre l'extrémisme de droite-Le transfert et la consolidation des normes du soin de la précarité vers l’hôpital public.

Le dossier thématique de ce numéro est consacré à une nouvelle catégorie d'analyse, celle des passeurs de normes, d’idées et d’instruments d’action publique, qui permet d’interroger à nouveaux frais le domaine des policy transfer studies. Au croisement de la sociologie de l’international et de la sociologie de l’analyse des politiques publiques, cette approche accorde une place centrale à la sociologie des acteurs en contexte, tant national qu’international ou transnational, ainsi qu’à la temporalité des dynamiques de passage. Une chronique bibliographique varia complète ce volume.


Hors-série de la revue Trajectoires: "Pratiques de frontière"

July 21, 2017

Irina Mützelburg , Christina Reimann , Gesine Wallem


Le Hors-série n°3 (2017) de la revue en ligne Trajectoires (CIERA) vient de paraître sous le titre:

Pratiques de frontière: Contrôle et mobilité en interaction de 1870 à nos jours

Praktiken der Grenzziehung: Wechselwirkungen zwischen Kontrolle und Mobilität von 1870 bis heute

Ce numéro a été coordonné par Irina Mützelburg, Dr. Christina Reimann et Gesine Wallem. Les contributions sont le fruit du Junges Forum organisé en octobre 2015 sur le thème  « Migrations et frontières : La construction de frontières par des pratiques administratives et sociales (des années 1880 à nos jours) ». 

Accès au dossier : https://trajectoires.revues.org/2338

Contenu du numéro:

  • Irina Mützelburg, Christina Reimann et Gesine Wallem
    Pratiques de la frontière : Contrôle et mobilité en interaction de 1870 à nos jours. Introduction [Texte intégral]
  • Sarah Frenking
    Fast täglich ergehen von Seiten des Publikums Anfragen an mich, wo die Grenze sei.“ [Texte intégral]
    Die Konstruktion der deutsch-französischen Grenze vor Ort um 1900
  • Inken Bartels
    Die Externalisierung der humanitären Grenze. [Texte intégral]
    Das Beispiel der ‚Unterstützung freiwilliger Rückkehr‘ durch die IOM in Marokko
  • Aurélie Audeval
    La spatialisation des identités assignées, Marseille 1940-1942 [Texte intégral]
  • Jonathan Miaz
    Qui peut rester et qui doit partir ? [Texte intégral]
    Les frontières au prisme des usages sociaux du droit d’asile en Suisse
  • Eva Hallama
    Zur Konstituierung von Grenzen und „Anderen“. [Texte intégral]
    Seuchenmedizinische Praxis in nationalsozialistischen „Grenzentlausungslagern“
  • Jérémy Geeraert
    Les frontières à géométrie variable de la citoyenneté. Accès aux soins des migrants dans un dispositif d’assistance [Texte intégral]

Publications

« Régime Migratoire / Migrationsregime ». Mobilität, Migration und Räumliche Neuordnung | Mobilités, Migrations, Recomposition des Espaces. 2019. https://rm2.hypotheses.org/997

2019. ‘L’« empowerment » par des financements internationaux ? Comment les donateurs créent  un secteur non-étatique en Ukraine’. Gouvernance Les financements communautaires aux marges de l’Europe - Sociologie des usages. https://www.erudit.org/fr/revues/gouvernance/2018-v15-n1-gouvernance04299/1056261ar/

2019. ‘The Role of EU and International Organizations’ Strategies and Interdependencies in the Transfer of International Norms: The Case of Ukrainian Asylum Law’. In Policy Transfer and Norm Circulation: Towards an Interdisciplinary and Comparative Approach, eds. Laure Delcour and Elsa Tulmets. Routledge.

With Christina Reimann, and Gesine Wallem. 2017. ‘Pratiques de la frontière : Contrôle et mobilité en interaction de 1870 à nos jours. Introduction’ eds. Irina Mützelburg, Christina Reimann, and Gesine Wallem. Trajectoires. Travaux des jeunes chercheurs du CIERA (Hors série n° 3). (July 18, 2017). https://trajectoires.revues.org/2339

2017. ‘Monitoring an Asylum System in the EU Neighbourhood: The Reliance of the European Union on the Knowledge Production of UNHCR’. In Visions Croisées Autour Des Frontières Européennes : Mobilité, Sécurité et Frontières, eds. Beyza Tekin and Didem Danış. Istanbul: Editions de l’Université Galatasaray, 45–59.