Prof. Dr. Andreas Mayer | Forscher

Dynamiken und Erfahrungen der Globalisierung
Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, D-10117 Berlin
E-Mail: Andreas.mayer  ( at )  cnrs.fr Tel: +49(0) 30 / 20 93 70700

Mutterinstitut : CNRS | Position : Directeur de recherche au CNRS | Fachbereich : Geschichte , Wissenschaftsgeschichte | former Abteilung : Centre Alexandre Koyré, EHESS

Biographie

1988-2000 Studium der Musikwissenschaft, Soziologie und Wissenschaftsgeschichte in Wien, Bielefeld, Cambridge und Paris

2001 Doktorat in Soziologie an der Universität Bielefeld

2001-2013 Lehr- und Forschungstätigkeit am Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte und an der University of Cambridge. Gastprofessuren u.a. an der University of Chicago (2010), Universität Ghent, EHESS Paris.

2013 Habilitation in Neuerer und Neuester Geschichte an der Universität Bremen

2014 Chargé de recherche CNRS, Lehre an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales (EHESS), Paris

2018 Directeur de recherche CNRS

2018 Médaille de bronze CNRS

2019-2020 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin

2020-2021 Chaire Marc Bloch, CMB

Übersetzungen des Unbewussten : für eine transnationale Geschichte der Psychoanalyse

Nachdem ich einen großen Teil meiner Arbeit den historischen und sozialen Bedingungen der Entstehung der Psychoanalyse als einer neuen intellektuellen und therapeutischen Bewegung gewidmet habe, möchte ich in diesem Projekt die Möglichkeiten einer transnationalen Geschichte der Freudschen Psychoanalyse und ihrer vielfältigen postfreudschen Varianten ausloten. Dabei dienen die Übersetzungen in verschiedenen sprachlichen und kulturellen Räumen aus Ausgangspunkt. Um die Besonderheit der psychoanalytischen Praxis zu verstehen, die in ihrer reinsten Form ein "Gespräch" im geschlossenen und geschützten Raum der Praxis ist, gilt es nicht nur die materiellen Bedingungen des Settings im Wandel zu analysieren (die Anordnung der Körper und der Möbel), sondern auch die konkrete Textualität der Psychoanalyse: Praktiken des Schreibens und Publizierens, die philologische Arbeit an der Geschichte der Texte erfordert. Es geht somit darum, den anthropologischen Ansatz einer "konkreten Geschichte" auf transnationaler Ebene zu entwickeln, indem 1) die Geschichte von Übersetzungen und Übersetzern und, im allgemeinen, die Bedingungen der Mobilität von Akteuren und Konzepten analysiert werden, 2) die Beziehungen zwischen der klinischen Arbeit und der Konzeptualisierung des Unbewussten historisch und theoretisch geklärt werden, um die Beziehungen zu erfassen, die sich zwischen sozialwissenschaftlicher Forschung und klinischen Ansätzen herstellen, und 3) die vielfältigen Varianten der Settings zu erfassen, in deren Ausgestaltung auch die Fiktion eine wesentliche Rolle spielt (Fallgeschichte, Roman, Theater und Film).

Honoré de Balzac. Theorie des Gehens

01.Dezember 2022

Andreas Mayer

Edition: Friedenauer Presse
ISBN: 978-3-7518-0622-0

Aus dem Frz. übersetzt, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Andreas Mayer

Balzacs Essay zur Theorie des Gehens, erstmals 1833 publiziert, zählt zu den bis heute kaum bekannten Schlüsseltexten seines Hauptwerks Die menschliche Komödie. In diesem formal einzigartigen und originellen Text bestimmt der junge Erfolgsautor seinen historisch-anthropologischen Zugriff auf die Gesellschaft seiner Epoche, als deren »Sekretär« er sich hier erstmals bezeichnet. Ausgehend von Beobachtungen an Spaziergängern auf den Pariser Boulevards, entwirft er ein »Gesetzbuch der Gangarten«, dessen Axiome zielsicher vom äußeren auf das innere Leben schließen. Die Gangart eines Menschen gilt als »Physiognomie des Körpers«, die das »Denken im Vollzug« und mit ihm alle menschlichen Tugenden und Laster, Arbeitsgewohnheiten und Krankheiten enthüllt. Auf zugleich unterhaltsame und gelehrte Weise verknüpft Balzac in seinem Essay die Demonstration seiner Methode mit wissenschaftlichen und philosophischen Reflexionen zur Praxis des Beobachtens und der Lage der Humanwissenschaften im Allgemeinen.

https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/theorie-des-gehens.html


Sigmund Freud. Zur Einfrührung

01.Dezember 2022

Andreas Mayer

Monographie

Edition: Junius
ISBN: 978-3-88506-090-1

Wenige Autoren haben das 20. Jahrhundert so sehr geprägt wie Sigmund Freud, der mit der Psychoanalyse nicht nur ein neues theoretisches Denkgebäude und psychotherapeutisches Verfahren, sondern auch eine weltweite Organisation begründet hat. Freuds Schriften haben eine kaum überschaubare Fülle an Sekundärliteratur hervorgebracht und waren Gegenstand zahlreicher, bis heute andauernder Kontroversen. Diese Einführung des Wissenschaftshistorikers Andreas Mayer sucht einen Neuzugang, indem sie deren Genese in ihren wissenschafts- und kulturhistorischen Kontexten erhellt und ihren kollektiven Charakter aufzeigt. Im Gegensatz zu einer Auffassung, die die zentralen Begriffe Freuds als stabile begriffliche Einheiten begreift, wird eine dynamische Perspektive entfaltet, die die Spuren des historischen Prozesses an den Texten selbst aufzeigt.

https://www.junius-verlag.de/Programm/Sigmund-Freud-zur-Einfuehrung.html


Publikationen

Wichtigste Publikationen:

1) Monographien

—Träume nach Freud. Die "Traumdeutung" und die Geschichte der psycho­analytischen Bewegung (mit Lydia Marinelli). Wien: Turia + Kant, 2002, 3. Aufl. 2009 (Übers. ins Englische, 2003 ; Französ., 2009, Italienische, 2010, Spanische, 2011).

—Mikroskopie der Psyche. Die Anfänge der Psychoanalyse im Hypnose-Labor, Göttingen: Wallstein, 2002 (engl. Übers. Sites of the Unconscious. Hypnosis and the Emergence of the Psychoanalytic Setting, Chicago, University of Chicago Press, 2013) https://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/S/bo16123833.html

—Wissenschaft vom Gehen. Die Erforschung der Bewegung im 19. Jahrhundert. Frankfurt/M.: S Fischer, 2013 (Reihe Wissenschaft), engl. erw. Übers. The Science of Walking. Investigating Locomotion in the Long Nineteenth Century, Chicago University Press, 2020. https://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/S/bo22782753.html

—Sigmund Freud  Hamburg, Junius (Reihe zur Einführung), 2016, 2. Aufl 2020

— Introduction à Sigmund Freud. Paris : La Découverte, 2020.

2) Herausgeberschaften

« Forgetting Freud? For a New Historiography of Psychoanalysis » (hg mit Lydia Marinelli), Sonderheft von Science in Context 19/1 (2006).

— « John Forrester » (hg mit Matt ffytche). Sonderheft von Psychoanalysis and History, 19/2 (2017).

3) Artikel

— « Écrire l’histoire de la psychanalyse : le problème du contexte », Revue d’histoire des sciences humaines, 30 (2017), 71-91.
— « Des rêves et des jambes : le problème du corps rêvant (Mourly Vold, Freud, Michaux) », Romantisme no. 178/4 (2017), 74-84.
— « Du divan à la boîte d’orgone : La science orgasmique de Wilhelm Reich », Terrain. Anthropologie et sciences humaines, 67 (2017), 92-109.
— « Why does Psychoanalysis matter to History and Philosophy of Science? On the Ramifications of Forrester’s Axiom », Psychoanalysis and History 19/2 (2017), 151-166.
—« Conflicting Interpretations of Artemidorus’ Oneirocritica: Freud, Theodor Gomperz, F.S. Krauss and the Symbolic Language of Dreams ». Psychoanalysis and History 20 (2018/1).

— « Freud übersetzen. Historische und theoretische Reflexionen zu einem frühen Übersetzungsmodell in der Psychoanalyse », Geschichte der Philologien, 57-58 (2020), 84-100.

— « Wie schreibt man keine Freud-Biographie », Zeitschrift für Ideengeschichte, 14/4 (2020), 68-84.

— «Partager des choses oniriques: auto-analyses et traductions après Freud », Communications 2021/1, no 108, 215-225.