(BMBF) Multiple Crises. Covid-19 and the Entanglements of Public Health, Security and Ecology in Europe

Umwelt, Klima, Energie: Gesellschaften und ihre ökologischen Herausforderungen
Das Verhältnis zwischen Gesellschaft, Wissenschaft und Politik im Kontext multipler Krisen

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Multiple Crises. Covid-19 and the Entanglements of Public Health, Security and Ecology in Europe“ beschäftigt sich mit der Verschränkung und dem Zusammenwirken unterschiedlicher Krisenphänomene. Dabei stehen der Klimawandel und die Covid-19-Pandemie im Zentrum der Betrachtung. Für beide Krisenphänomene gilt, dass sie gleichermaßen mit gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Verwerfungen einhergehen und als multiple Krisen in Erscheinung treten, die sich durch einen hohen Grad an Komplexität, multidimensionalen Wechselwirkungen sowie existenziellen Bedrohungssituationen mit einem direkten Handlungsbedarf auszeichnen. Anhand der drei großen Themenbereiche Public Health, Sicherheit und Ökologie werden konkrete Wirkungszusammenhänge dieser als „Existenzkrisen“ wahrgenommenen Phänomene identifiziert und analysiert.

Dabei stehen drei Untersuchungsebenen im Mittelpunkt: Die Krisenwahrnehmungen der europäischen Gesellschaften (1), die Krisenanalysen wissenschaftlicher Expert:innen (2) sowie das Krisenhandeln politischer Institutionen und Entscheidungsträger:innen (3). Einem interdisziplinären Anspruch folgend und im Sinne einer „Problemgeschichte der Gegenwart“ betrachtet das Projekt Anpassungspraktiken, Bewältigungsstrategien und politische Reaktionsmuster auf der lokalen, nationalen und europäischen Ebene. Dabei werden im deutsch-französischen Dialog kritische geistes- und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf aktuelle Krisen und Bedrohungen entwickelt sowie deren historische und gesellschaftliche Dynamiken im globalen Kontext untersucht. Die Erforschung multipler Krisen und ihrer Wechselwirkungen soll in diesem Sinne ein besseres Verständnis für die Wahrnehmung, Analyse und Bewältigung komplexer und verschränkter Krisenphänomene im zeitgenössischen Europa ermöglichen.

Projektleitung: Judith Nora Hardt (CMB), Gabriel Bartl (CMB) 
Fördermittelgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Laufzeit: 03.2021 – 02.2024

Judith Nora Hardt ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre Marc Bloch und hinterfragt Konzepte von Sicherheit, Konflikt und Gerechtigkeit anhand der zeitgenössischen Beziehungen zwischen Mensch und Natur. Sie konzentriert sich insbesondere auf die sicherheitspolitischen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Seit 2021 leitet sie am CMB das BMBF-Projekt „Multiple Crises: Covid 19 and the Entanglements of Public Health, Ecology and Security in Europe“. Ihre Arbeit wird durch ihr Engagement in der Bewegung Scientists For Future untermauert.

Gabriel Bartl ist Soziologe und hat sich in den letzten Jahren im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte mit dem Phänomen der (Un-)Sicherheit beschäftigt. Seine Arbeit im Bereich der Sicherheitsforschung erstreckte sich dabei über diverse Forschungszweige, wie jenen der Akzeptanz- und Risikowahrnehmungsforschung, der (kritischen) Resilienzforschung, der surveillance studies, der critical security studies oder der science and technology studies. Unter anderem beschäftigte er sich hierbei mit der Frage, welche sozialen Implikationen sich aus dem zu beobachtenden Trend einer zunehmenden Epistemisierung und Technisierung von Sicherheit ergeben. Am Centre Marc Bloch wirkt er seit September 2021 im Forschungsprojekt „Multiple Crises. Covid-19 and the Entanglements of Public Health, Security and Ecology in Europe” als Projektleiter mit.

 

Veranstaltungen

13.10.2022 – Panel-Diskussion "Public Health and Climate Change: The role of imaginaries in coping with multiple crises"

- Teil des Workshops Junges Forum„The imaginary in times of crises”
- Panelist*innen:

  • David Fopp (CMB – Climate Change Center Berlin Brandenburg)
  • Frédéric Garber (CNRS)
  • Timothée Ingen-Housz (Universität der Künste Berlin)
  • Jörg Niewöhner (IRI THESys, HU Berlin)

14.10.2022 - Multiple Crises Doktorand*innenkolloquium (erstes Treffen) 

Das Kolloquium wird in Kooperation mit SciencesPo Paris organisiert und legt den Fokus auf eine kritische geistes- und sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit aktuellen Krisen und Unsicherheiten. Dieses erste Zusammentreffen im Oktober 2022 ist die Auftaktverantstaltung des Multiple Crises Kolloquiums, im Rahmen dessen insgesamt vier Diskussionsrunden stattfinden werden. Das Ziel wird es sein theoretische, konzeptionelle und methodologische Ansätze zur Erforschung von multiplen Krisen, wie beispielsweise der Covid-19 Pandemie und dem Klimawandel, auszutauschen und zu diskutieren. Außerdem bietet das Kolloquium den Teilnehmenden die Möglichkeit der Vernetzung mit anderen Forschenden innerhalb eines deutsch-französischen Forschungskontextes.

03.05.2022 – Klima-Energie-Seminar & Multiple Crises Arbeitskreis-Präsentationen

1. Vortrag

Angélique Palle (IRSEM), Florian Opillard (IRSEM): From covid-19 outbreak to climate security, analysing military involvement in the 21st century crisis management

2. Vortrag

Adrien Estève (CERI): Climate change and security: conflicting approaches and emerging trends

05.10.2021 – Auftaktworkshop Multiple Crises

Der Auftaktworkshop für das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt „Multiple Crises. Covid-19 and the Entanglements of Public Health, Security and Ecology in Europe” fand am 5. Oktober 2021 am Centre Marc Bloch statt. Insgesamt waren 12 Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen aus dem deutsch-französischem Forschungskontext zugegen. Der Workshop diente der Projektvorstellung von „Multiple Crises“ sowie der Präsentation und Diskussion der beiden Teilstudien. Teilstudie A wird von Dr. Judith Hardt geleitet und widmet sich der Thematik von „Klima und Existenzkrisen“. Dr. Gabriel Bartl, der seit September 2021 als zweiter Projektleiter fungiert, präsentierte erste Überlegungen zu Teilstudie B, die sich mit dem Umgang mit Krisen am Beispiel von Covid-19 beschäftigt.

Im Anschluss an die Präsentationen beleuchteten verschiedene Teilnehmer*innen ausgewählte Aspekte und Fragestellungen, die ihnen für das Projekt relevant erschienen, anhand kurzer Inputs. Mit Hilfe der vielfältigen Perspektiven konnte intensiv über den Begriff der Krise diskutiert und ausgelotet werden, in welchem begrifflich-konzeptionellen Setting die Krise zu verorten ist. Auch wurde die Krise von einzelnen Teilnehmenden als Treiber sozialer Ungleichheiten bezeichnet und die Möglichkeit ihrer Instrumentalisierung zur Beschaffung von Legitimation gewisser Interessen hervorgehoben. Ein weiterer Fokus während des Workshops galt – neben den Eigenschaften, Besonderheiten und Begleiterscheinungen – den Bewältigungsstrategien von Krisen, die insbesondere in einer theoretischen wie empirischen Auseinandersetzung mit der Klima- und Corona-Krise in den Fokus rücken. Im Hinblick auf die in diesen Zusammenhängen zu beobachtenden Krisenreaktionsmuster wurde die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen der Risikopolitik (z. B. Resilienz und statistische Modellierungen) diskutiert.

Zusätzlich zur Vorstellung des Gesamtprojekts, der beiden Teilstudien sowie dem interdisziplinären Austausch, welche die theoretischen Perspektiven und Zugänge für das Multiple Crises-Projekt befruchten konnten, diente der Workshop der Vernetzung und dem Austausch von Literaturempfehlungen, welche im Anschluss unter allen Teilnehmer*innen zirkuliert wurden, sowie der Abwägung zukünftiger Kooperations- und Publikationsformate.

 

Publikationen

Bartl, Gabriel, Hardt, Judith (2022): „Zum Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik im Kontext multipler Krisen: Covid-19 und die Klimakrise als Herausforderungen für die wissenschaftliche Politikberatung“, in: Zeitschrift für Umweltpolitik & Umweltrecht. https://online.ruw.de/suche/zfu/Zum-Verhae-zwisch-Wissen-und-Politi-im-Kontex-mult-02d517156f740d85542e6340b143ae93?crefresh=1

Bartl, Gabriel (im Erscheinen): „Krise und technologischer Solutionismus: Die politische Dimension des digitalisierten Umgangs mit Unsicherheit“, in: Wagener, A; Stark, C. (Hrsg.): Die Digitalisierung des Politischen. Springer Verlag.

Bartl, Gabriel (2022): „La relation science-politique face aux crises : l’exemple de la pandémie de Covid-19 en Allemagne”, in: „La politique climatique allemande. Comment rattraper le temps perdu?”, Revue Allemagne D’Aujourd’hui

https://www.septentrion.com/fr/livre/?GCOI=27574100399050

Hardt, Judith Nora (2022) „The United Nations Security Council at the edge of Climate Change?” Journal Politics and Governance, Open Access: https://www.cogitatiopress.com/politicsandgovernance/article/view/4573/4573

von Lucke, Franziskus, Hardt, Judith Nora (2022) „La politique climatique allemande sous l’angle de la politique extérieureet de sécurité : une solution d’avenir ?”  in: „La politique climatique allemande. Comment rattraper le temps perdu?”, Revue L’Allemagne D’Aujourd’hui

https://www.septentrion.com/fr/livre/?GCOI=27574100399050

Hardt, Judith Nora, Zeigermann, Ulrike and Vannier, Sébastien (2022) „La politique climatique allemande. Comment rattraper le temps perdu?”, Revue L’Allemagne D’Aujourd’hui

https://www.septentrion.com/fr/livre/?GCOI=27574100399050

Hardt, Judith Nora (2021) „Research Perspectives and Boundaries of Thought: Security, Peace, Conflict, and the Anthropocene”, in: Special Issue Revista de Estudios en Seguridad Internacional, Open Access: http://www.seguridadinternacional.es/resi/index.php/revista/article/view/347